Sonntag, 13. April 2014

Patagonien Vol. 3

Im November ging es für mich zum dritten Mal ans andere Ende der Kugel, zusammen mit meinem Kumpel und bestem Mitarbeiter der Alpinschule Rock´n Roll Mountainguides Toni Moßhammer. Für Toni war es die erste Reise in dieses einzigartige Land und so war er natürlich recht schnell überredet, obwohl er gerde aus Nepal und Thailand zurückgekommen ist. So sattelten wir Mitte November die Hühner und los ging der Anreise Marathon. Einziger Nachteil, wir haben nur 12 Tage Zeit! Wie das so war wollte ich euch nicht vorenthalten.

München - Paris- Buenos Aires - Schlafen - Buenos Aires - El Calafate - El Chalten

Und schon waren wir wieder im lieblichen Bergsteigerdörfchen am Fuße der Granitriesen. Das einzige was nicht so gut aussah war das Wetter. Einige Freunde von uns verbrachten vor unserer Ankunft ein ganzens Monat in Chalten und konnten nicht einen Meter klettern. Es wurde von der schlechtesten und instabilsten Saison seit langem gemunckelt und auch wir waren erstmal ein bisschen baff. Die letzten Jahre hatte ich immer gute Karten beim Patagonien Poker, diesmal so schien es, hatten auch wir ein schlechtes Blatt kassiert. Unser Hauptziel können wir schonmal fix vergessen :((

Aber egal, Bouldern, Hiken, Klettern, irgendwas geht immer. Als wir dann am nächsten Tag um 9:00 Uhr aus dem Haus gegangen sind konnte ich meinen Augen nicht trauen. das schönste Wetter!!! Sofort packten wir unserer Rucksäcke und unser ganzes Material und machten uns auf den Weg Richtung Paso Quadrado, wir wollten was an der Guillaumet klettern, ein wunderschöner Gipfel zu der rechten des imposanten Fitz Roy. Als wir nach ca. 6 h das Biwak erreichten, machten wir es uns gemütlich, saßen in der Sonne, tranken instant Cappucino und freuten uns auf den bevorstehenden Klettertag. Am Abend wurden dann die Karten eindeutig neu gemischt, denn so schnell sich das kleine schönwetter Fenster aufgemacht hatte, so schnell war es auch wieder weg und es fing zu schneien und zu stürmen an. Patagonien eben. Nichts wie runter! Die nächsten tage verbrachten wir mit bouldern, chillen, bouldern, chillen, bouldern, hiken, chillen und lesen.

Dann endlich ein brauchbares aber durchwachsenes und nicht eindeutiges Fenster, aber das beste was wir kriegen konnten in der kurzen Zeit. Aufbruch um 4 in der Nacht, Richtung Guillaumet NO Kante, nach 7,5h waren wir am Einstieg, es war kalt und es war alles andere als schön, ständig zogen Wolken vorbei und umhüllten die Wände mit einem kalten Schleier, dann wurde es wieder besser, dann wieder total dicht. Aber uns wars egal, denn die Kletterei war der Wahnsinn, traumhaft schöner Granit lies nicht mal den Funken an einen Gedanken wie Umdrehen aufkommen und wir waren im Kletterfluss. Der obere Teil (Comesana- Fonruge) sah etwas steiler und schwieriger aus, war aber schlußendlich der reinste Genuß, Kletterei bis 6c, super schöne Risse und traumhafter Granit, was will man mehr, vor allem bei dem Wetter?

Um ca. 17:30 Uhr waren wir am Gipfel der Guillaumet, das Wetter hat sich verbessert wir konnten die Aussicht ein bisschen genießen und seilten dann gemütlich übers "Amy Couloir" zurück auf den Gletscher ab. Voll Zufrieden nach diesen lässigen Klettermetern und diesem coolen Gipfeleindruck, machten wir uns zurück auf den Weg nach Chalten, wo uns bereits unsere Freunde Quil und Mes erwarteten :-)

Patagonien ist eben immer eine Lotterie, man kann Glück haben und sein Traumziel erreichen oder man kann wetterbedingt Pech haben, dann muss man eben improvisieren, aber das schöne an Patagonien ist, das auch die improvisierten Ziele äußerst lohnend sind und sind wir uns ehrlich, jeder Gipfel den man da unten besteigen darf ist was besonderes. Ich freu mich schon aufs nächste mal....
Blue Sky in Patagonia

Kombiniertes Gelände im unteren Teil der Guillaumet

Traumfels an der Guillaumet

Toni kämpft mit der vereisten Verschneidung

Geniale Kletterei in der "Comesana Fonruge"

...immer noch! 
Im oberen Teil, das Wetter ist wechselhaft!

Coole Verschneidung

Am Gipfel der Guillaumet, Tonis erstem patagonischen Gipfel

Rock´n Roll der Berge

Una Quilmes mas por favor!

Nos vemos amigos!

Sonntag, 6. April 2014

Problemfall : Schleierwasserfall

Der Schleierwasserfall in Going am Wilden Kaiser zählt mit Sicherheit zu den schönsten und schwierigsten Klettergebieten Europas. Das einzigartige Ambiente, die Vielzahl an hochkarätigen Routen und die Tatsache, dass man das ganze Jahr dort oben klettern kann, machen den Schleier für viele Kletterer zum absoluten lieblings Gebiet. So auch für mich. Meine gesamte Jugend verbrachte ich am Schleier, konnte das Klettern in allen Höhen und Tiefen dort oben erlernen und erfahren, zusammen mit meinen Freunden die Motivation und die Leidenschaft teilen und diesen wunderbaren Ort genießen.

Vor beinahe 9 Jahren gab es dann erstmals ernste Probleme. Auf Grund der sich ständig vermehrenden Kisten, in welchen Kletterer ihre Seile und ihr Material (größtenteils Müll!) bunkerten, kam es zu Spannungen mit den Grundeigentümern, den Bundesforsten. Alex Huber und ich setzten uns mit dem Tourismusverband und den Bundesforsten zusammen und versuchten die ins Haus stehende Gebietssperrung möglichst zu vermeiden und ihr entgegen zu steuern.

Dies stand damals auf climbing.de (2006)

An alle Schleierkletterer!
Aufgrund einer nachdrücklichen Aufforderung der Bundesforste wurden alle am Schleierwasserfall deponierten Kisten von Guido Unterwurzacher und mir abtransportiert.
Die Kisten sind jetzt unten direkt bei der Schranke und wir bitten alle, baldmöglichst alles abzuholen - das wären die Kisten, das Klettermaterial aber - bitte! - auch den Müll, der sich in den Kisten befindet.
Egal, ob der Müll von euch ist oder nicht. In zwei Wochen werden wir alles, was nicht abgeholt wurde, entsorgen.
Alexander Huber und Guido Unterwurzache
Zum Glück reichte eine klare Vereinbarung mit den Grundeigentümern, welche von uns auch in den nächsten Jahren ständig mit den Kletterern vor Ort kommuniziert wurde!

"Es dürfen keine Materialdepots am Schleier zurückgelassen werden." 

So hatten Alex und ich die ehrenvolle Aufgabe 13 vollgefüllte Holzkisten vom Schleier zu entfernen, manche Kletterer die sich angekündigt hatten uns zu helfen hatten plötzlich keine Zeit und so erledigten wir die ganze Aufräum Aktion zu zweit. Der Großteil der Sachen die wir entfernten war schlicht und ergreifend Müll, von Plastikplanen, Glasflaschen, Seilstücken, Isomatten, Schlapfen usw. war alles dabei. Wir deponierten das Material unten an der Schranke, wo dann jeder genug Zeit hatte sich seinen Müll zu holen, was zum Großteil auch nicht passierte und so blieben wir auch noch auf den Entsorgungskosten sitzen.   

Danach das große Raunen, nur "neue Seile" waren in den "edlen und hochwertigen" Kisten und wer ersetzt jetzt das ganze Material, kam es seitens der Betroffenen.


Die letzten Jahre verbrachte ich bei weitem nicht so viel Zeit am Schleier wie früher, aber die paar mal die ich oben war konnte ich meinen Augen fast nicht trauen. Auf ein zurückgelassenes Seil folgte bald das nächste und das nächste und das nächste.... Eine wahre Müllhalde, ein Bild für das ich mich als Local und Herzblut Schleier Kletter zutiefst schähme. Von Seiten der Wanderer wurden die Zustände eindeutig beschrieben, Kletterer sind Schweine und Umweltverschmutzer!!! Dem kann ich nur zustimmen, nachdem was ich dort oben gesehen habe! Socken, Plastikflaschen,.... und der gleichen sind keine Depots sondern das ist mutwillige Umweltverschmutzung und sowas muss zur Anzeige gebracht werden.

Wir, die Local Kletterer bringen es auch seit 18 Jahren zusammen, dass wir unser Seil rauf und den fremden Müll runter tragen warum also nicht auch die anderen? Beim Sportklettern hat man gerade mal den eigenen Gurt ein paar Expressen, Kletterschuhe und eine Jacke zu tragen, sogar das Wasser kann man sich sparen, da man ja oben eine Quelle mit bestem Kaiserwasser hat. Und wegen dem Seilraufschleppen ist noch nie jemand eine Route nicht raufgekommen, was aber sicherlich eine gute Ausrede wäre, zu platt vom Seil tragen! Wir haben es immer wieder gesagt, aber es folgte keine Reaktion seitens der Depoterhalter, es wurde nichtmal ernst genommen.

Die letzten Wochen verbrachte ich bergführender Weise in höheren Gefilden, als mich plötzlich ein aufgelöster Anruf erreichte, Sauerei, alle Seile Weg, Frechheit, nichts mehr da am Schleier! Mich hat das ganze natürlich eher wenig berührt und Mitleid mit den Betroffenen hab ich in keinster Weise, im Gegenteil, es wurde von uns oft genug kommuniziert, dass die Seildepots verschwinden sollen bevor es wieder Stress gibt. Den Müll und die Zigarettenstummel von anderen Leuten runter zu tragen ist mitlerweile schon zur Gewohnheit geworden.

Jetzt ist alles weg und der Schleier atmet wieder! Das ist gut so und ich hoffe es bleibt so, denn allen die eine Gebietssperre, mit ihrer präpotenten, umweltverachtenden Art provozieren stehe ich massiv im Weg und ich weiß ich bin nicht der einzige, den der Schleier ist ein Platz für alle, nicht nur für Kletterer und dieses Juwel muss beschützt gepflegt werden.

Haltet die Berge sauber!!!

Guido Unterwurzacher

Donnerstag, 7. November 2013

Alpinschule Rock´n Roll Mountainguides ONLINE


Check out our new page.
Toni Moßhammer und ich haben, mit der großartigen Hilfe von Bernhard Kogler, unsere eigene Bergführer Homepage entworfen. Das komplette Winterprogramm steht fest, jetzt fehlt eigentlich nur noch der Schnee...

Unter www.rocknrollmountainguides.at  findet ihr alles was ihr über uns und unser Programm, für die bevorstehende Wintersaison, wissen müsst.

Unsere Anlaufstelle ist im Rock´n Roll Mountainstore, Brunnbachweg 2 in Kirchdorf in Tirol. Dort könnt ihr euch direkt über Termine erkundigen, beraten lassen, Erlebnis Gutscheine kaufen, das neueste Equipmenet testen, für Weihnachten einkaufen und, und, und

Fleißig weiter erzählen, liken, klicken und posten!

Rock´n Roll for ever und auf eine actionreiche, unfallfreie Wintersaison!!


Samstag, 5. Oktober 2013

Zu Gast bei den 12. Goinger Bergfilmtagen

Ganz besonders freut es mich, heuer als Vortragender, bei den 12. Goinger Bergfilmtagen, vor heimischen Publikum meinen neuen Vortrag "Vom Kaiser in die Welt" zu präsentieren. Da ich in Going am Wilden Kaiser aufgewachsen bin und am Kaiser das Klettern erlernt habe, möchte ich den Zuschauern einen Einblick geben, warum ich meinen Lebensweg nach diesem Sport ausrichte, wo mich mein Sport überall hingeführt hat, was ich dabei erlebt habe und warum das heimkommen immer noch am schönsten ist.

Mehr dazu am 10. Oktober um 20 Uhr bei den Bergfilmtagen in Going.

Freu mich auf euer zahlreiches Erscheinen.

Guido
"Eternal Flame" 7b/A2 Nameless Tower 6251m Pakistan
"Des Kaisers neue Kleider " Wilder Kaiser, 

Dienstag, 6. August 2013

"The Titty Twister"

Neutour am Schleier!!!

Konnte vor ca. 2 Wochen die fünf Sterne Route "The Titty Twister" am Schleier erstbegehen. Die Route befindet sich im Sektor Skywalk, rechts der "Schwing dei Ding" 7b+. Lässige Henkelschwingerei an positiven Griffen, die in einer abdrängenden Abschlußpassage endet. Das ganze ist für ca. 8a oder 8a+ zu haben. Viel Spaß damit!

Guido

"Goinger Wunderwelt" befreit!




Die 6. Seillänge, ein nicht geschenktes Geschenk!!
 


Vor gut 19 Jahren gelang meinem Onkel Tom Unterwurzacher zusammen mit einer handvoll Einheimischer Kletterer, eine unglaublich elegante Erstbegehung an der Hochgrubach Südwand, die er passend auf den Namen "Goinger Wunderwelt" taufte. In Falllinie vom Gipfel zeiht die Linie kerzengerade durch die pyramidenförmige Wand der Hochgrubach Spitze. Die Schwierigkeiten der Seillängen bewegen sich durchwegs im 8. Grad, die Schlüsselseillänge konnte jedoch nur mit Hilfe technischer Tricks (Cliff und co.) bewältigt werden und wurde mit 8+/A2 bewertet. Aber laut meinem Onkel und anderer Aspiranten sollte die Länge auch freikletterbar sein...

Vor ca. 10 Jahren kletterten Toni Moßhammer und ich zum ersten mal durch die Route und stellten fest, dass die 6. Seillänge sicher frei machbar ist.

Im Herbst 2012 war es dann wieder soweit. Toni und ich waren zurück und wollten uns die Länge nochmal auschecken. Ich konnte super Lösungen für die schwierigen Stellen finden und alle Züge machen, bis zum nächsten Versuch sollte aber wieder ein halbes Jahr vergehen.

Heuer machten wir uns wieder auf den Weg zur Südwand, die Bohrmaschine im Gepäck, denn um die Länge frei zu klettern musste ich 4 Bohrhaken umplazieren. Wir hatten eine gute Bouldersession und wie immer einen spaßigen Tag. Die Motivation, so schnell es geht wieder zurück zu kommen, war imens.

Eine Woche später standen wir erneut unterm Einstieg. Das Wetter war etwas zweifelhaft, für den Nachmittag waren starke Gewitter gemeldet und es sah ganz so aus als ob es jeden Moment anfangen würde zu regnen. Das Wetter war aber auf unserer Seite und so kletterten wir zügig im Überschlag bis zur Schlüssellänge. Ich hängte mir die Schlingen ein, checkte erneut die Züge aus und musste feststellen, dass ich den vortäglichen Kletterausflug zum Schleier, noch ganz gut in den Muskeln spürte. Nach 30 Minuten Pause setzte ich einen Versuch und gab 120 %, ein echter Fight wie ich ihn schon lange nicht mehr hatte. Der erste schwere Boulder, ein Sprung auf eine scharfe Leiste hätte mich beinahe rausgeschmissen, irgendwie blieb ich aber hängen, jetzt heissts cool bleiben und Gas geben, die Akkus blinken schon und das was kommt verlangt vollste Aufmerksamkeit. Die obere Stelle lief dann perfekt und der letzte technische Sprung ist eine Mischung aus Augen zu und durch und einfach dran glauben, ich machte mir keine Gedanken und sprang auf gut Glück von den Reibungstritten weg, dem letzten schweren Zug entgegen und blieb tatsächlich am Henkel hängen.... WUHUUUUU :))

Nach 19 Jahren konnte ich mir die erste freie Begehung dieser familiären Kletterperle und der wohl schönsten Linie am Ostkaiser sichern, ein wahnsinns Tag. Mein Bewertungsvorschlag für die 6.Seillänge, irgendwo im Bereich 8b.
Kerzengerade zieht die Linie zum Gipfel der Hochgrubach hinauf!



Mehr Fotos gibts bald...
Ein absolut genialer Tag!

Freitag, 31. Mai 2013

Sizilien

Um für die bevorstehende Klettersaison, etwas in Schwung zu kommen, machten sich meine Freundin und ich auf nach Sizilien, genauer gesagt nach San Vito lo Capo.

Den Erzählungen und Fotos einiger Freunde zufolge ein absolutes: "Do muas ma amoi hi!"

Sonne, Meer und viele schöne Routen, so haben wir uns unseren Urlaub/Trainingslager vorgestellt und genau das haben wir bekommen. In den 12 Tagen konnten wir unseren Heißhunger auf geniale Klettereine in den Sektoren, "Never Sleeping Wall", "Crown of Aragon", "El Bahira Camping", " Parco Ceriolo" stillen und eine entspannte Zeit in diesem gemütlichen Klettermekka verbringen.
Mir gelangen dabei einige schöne Routen von 7c bis 8a+, drei 8a Routen im onsight und viele schöne leichtere Meter in perfektem sizilianischen Kalk.

Also wer Lust auf Sizilien hat, es zahlt sich voll aus. Aber am besten im Frühjahr oder Herbst, ansonsten wird man gegrillt.


Der Perfekte Fels der Never Sleeping Wall, hat alles was das Kletterherz begehrt.

Und Sonnenuntergänge gibts auch.

July beim Fernsehen.

Abwechslung pur. Von steilen Sintern, bis technischen Wänden und langen Ausdauerpumpen ist alles geboten.

Donnerstag, 7. März 2013

Winter Rückblick

"Meine Finger, FUCK, i gspia meine Finger nimma!!!" AHHHHH iatz tauns auf, AHHHHHHH!!!
Der "Oanogl", eine nette Begleiterscheinung des Eiskletterns, wer kennt ihn nicht. Wie jedes Jahr war es auch heuer wieder soweit einen anständigen "Onogl" auszufassen. Angefangen hat die Eissaison für mich heuer in Südtirol, beim Eiskurs der Berg und Skiführer. Wir hatten eine super Woche, mit sensationellen Verhältnissen, konnten einiges lernen und auch den ein oder anderen lässigen Wasserfall klettern, unter anderem den "Dünnen Schauder" WI 5+  (laut Führer) in Corvara. Die erste Seillänge war recht spannend, dabei handelt es sich um eine abgefahrene dünne Eisglasur, welche sich nur schwer mit den kürzesten Eisschrauben absichern lässt, die ersten acht Meter klettert man noch im Fels und die lassen sich garnicht absichern. Langsam und vorsichtigt kämpfte ich mich Meter um Meter höher in dieser wilden Länge und erst als ich im leichteren Gelände stand, kam er, der lang ersehnte "Oanogl" und zwar so heftig, dass mir ein wenig übel wurde, aber das gute daran, der erste "Oanogl" im Jahr ist der schlimmst. Da sich die Eisbewertungen jedes Jahr ein bisschen bis ziemlich ändern, glaube ich das diese Seillänge sicher weit jenseits von WI 5+ war, aber um das gehts ja ohnehin nicht, das Erlebnis war unvergesslich.

Der "Dünne Schauder". Name ist hier Programm.


Nach dem Kurs gings ins Gasteinertal und ins Pinnistal um wieder das nötige Feeling und den richtigen Rhytmus für diese eisige Leidenschaft zu finden. Im Pinnistal, zusammen mit Hechei, wollten wir versuchen alle gewachsenen Eisfälle ein einem Tag zu klettern, 8 an der Zahl und garnicht so ohne. Der esrte Versuch endete nach vier Wasserfällen, ich war immer noch nicht fit von meiner Grippe und die Verhältnisse waren auch nicht optimal. Wir zweifeln an der umsetzbarkeit des Plans, aber ganz verwerfen wollen wirs auch nicht, denn geil wärs schon alle Linien an einem Tag zu klettern...

Einige Eismeter in Gastein und im Felbertal und einige Tage später stehen Hechei und ich wieder im Pinnistal. Es ist 8 Uhr und wir fangen an mit unserer Eis Ralley. Wir starten mit "Männer ohne Nerven", welchen wir flott hinteruns bringen, weiter gehts zum Vorhang, Softeis und teilweise morsches, abgebautes Eis, dann gehts zur Eiszeit, weiter zum Chamäläon welches ziemlich spröde war, dann zum Familien Sonntag, wir freuen uns aufs abseilen zu nseren Getränken. Nach kurzer Pause steht die "Kerze" am Programm und wird auch zügig niedergepickelt, danach folgt ein Kurzbesuch in der "Rumpelkammer" und zu gut der letzt "Klein aber Fein" oder unter Insidern "Klein aber Schwein" genannt.


Fertig, aber glücklich nach unserer riesen Eisbeute!
Danach stand ich eigentlich nur mehr auf den breiten Skiern und durfte so manches unverspurte Kitzbühler Schmankerl verspuren.

Einen weiteren lustigen Tag verbrachten Toni Moßhammer und ich zusammen mit den Jungs von "Na Servus" Dem Wetter auf Servus TV am Felbertauern, wo wir einen Tag lang eine Wetterreportage zum Thema Wetter und Eisklettern drehten. Damit auch Sie wissen wo das Wetter wie wirkt ;-). das ganze wurde schon ausgestrahlt, aber sobald ich den Link habe stell ich ihn rein.

Der Powder ist nun leider völlig weg und deshalb wurden die langen, breiten Ski gegen die kürzeren und schmäleren ersetzt, um ein paar coole Firntouren zu unternehmen. In letzter Zeit begleitete mich  immer öfter mein Speedschirm, da das runterfahren zur Zeit nicht so viel Spaß macht wie das runterfliegen.

Auch unsere Multivisionsshow "Trango Towers - Traum und Wirklichkeit" hat uns ganzschön auf Trab gehalten und einiges an Zeit und Nerven gekostet. Die Mühen haben sich aber gelohnt, die Prämiere im Kaisersaal in St.Johann war für Simon, Hechei und mich ein voller Erfolg, die ca. 500 Leute waren begeistert und keiner ist eingeschlafen oder früher rausgegangen, es flogen auch keine faulen Eier oder sonstiges ;-).

Ich hoffe wir können unseren Vortrag noch öfter und in einigen anderen Dörfern, Städten, Ländern, Kontinenten und Welten herzeigen. Also wenn auch du willst, das wir mit unserer Show bei euch auftreten, einfach eine Mail an: guido.unterwurzacher@gmx.at

Aber auch die Finger jucken schon wieder und wollten wieder mal Hand an steilen Fels legen. So verbrachten Alex Huber und ich einen coolen Tag in einer neuen Linie am Kaiser. Guter Start in die Felsklettersaison. Erster Felskontakt am Kaiser, noch dazu in einer Erstbegehung. Freu mich schon wieder auf den nächsten Besuch in diesem genialen Juwel...



Und noch was!!!

Am 22.März 2013 eröffnet (m)ein Busenfreund Markus Bendler seinen stylishen Bergsport Shop "Rock´n Roll Mountainstore". Freibier und Würstel für alle!!!

Das sollte man sich nicht entgehen lassen.


Bis dann,
Guido

Mittwoch, 27. Februar 2013

Multivisionsshow "Traum und Wirklichkeit"

NICHT VERGESSEN!!!

Bald ist es soweit....


WANN? Freitag 1.März 2013 20 Uhr Einlass
WO? Kaisersaal St.Johann in Tirol
WAS? Christian Hechenberger, Simon Berger und ich wollen euch unseren Vortrag  über unsere Expedition nach Pakistan vorstellen. Danach heizt die Rockband "The Black, White, Gray" mit lauten Gitarren ein und ich hoffe es geht richtig rund!

Wir freuen uns auf euch!
Bis Freitag

Freitag, 14. Dezember 2012

Far from home, but close to heaven...

...so ungefähr fühlte sich unsere dreiwöchige Südamerika Reise an.Weit weg von daheim, doch dem Himmel sehr nah.


Nach langer Anreise erreichten wir endlich den Spot des diesjährigen Petzl Roc Trip, die Piedra Parada, ein unglaublich schöner, abgelegener, staubiger Platz in der trockenen argentinischen Steppe. Kristin, July, Flo, July und ich hatten das Glück den Ort noch vor den Massen kennenzulernen und hatten eine 6km lange Schlucht mit 26 verschieden Sportklettersektoren und Mehrseillängen Routen fast für uns alleine. Am Campingplatz herrschte reges Treiben und es war eine äußerst gemütliche Atmosphäre, aufstehen, frühstücken, in den Bach springen, sich mittreiben lassen und dann bis zum dunkel werden in den vielen genialen Routen der Schlucht, seinen Kletterhunger stillen, am Abend Lagerfeuerstimmung und Gespräche mit interessanten neuen Menschen.

Doch wie bei jedem Event, kommen irgendwann Besucher ins Spiel, sofern es ein guter Event ist. Der Petzl Roc Trip ist ein guter Event, ein Woodstock des Kletterns sozusagen und mit dem Ende der ruhigen Woche kamen immer mehr Leute aus der ganzen Welt um Teil des Events zu sein und sich an den Felswänden auszutoben. Wie die Eierschwammerl schossen täglich und über Nacht immer mehr Zelte aus dem Boden und in der Schlucht wurde es immer lauter und hektischer, Jahrmarktstimmung und Schluß mit freier Routenwahl, geklettert wurde was frei war.

Wir aber machten das beste draus, die Mädls konnten eine 7a nach der anderen onsighten und waren (fast) fleißiger als Flo und ich. Mir gelang eine geniale 8b, und einige andere coole Linien zwischen 7c+ und 8a+ und zusammen mit July,Kristin und Guillaume Vallot aus Frankreich konnten wir die Aussicht von der 200m hohen Piedra Parada, so heißt der riesige Felsklapf mitten in der Landschaft, genießen. Auch Flo hat die "Power from Vienna" rausgelassen und brav bei einigen 8a und 8a+ Routen zugelangt.


In einer der genialen Routen der Piedra Parada



 Dann waren die Tage in der Piedra Parada leider auch schon beinahe zu Ende, denn als Max zu uns gestoßen ist wussten wir ok, nur noch 3 Tage bevors für Flo, July, meine July, Max und mich nach El Chalten gehen sollte und wir uns von Kristin und der Piedra verabschieden mussten. Wie man erahnen kann sind auch diese 3 Tage wie im Flug vergangen. (Autofahrt 6h, schlafen in El Polson, Flug nach Bariloche-El Calafate, El Calafate 3h Busfahrt El Chalten...Berge zeigen sich von ihrer schönsten Seite, super Wetter, nette Begrüßung)


Wettercheck fiel, wie zu erwarten war, nicht gut aus, die ganze Woche schlecht, was will man sich auch erwarten, wenn man nur eine Woche Zeit hat zum Bergsteigen. Aber egal Trekkn, Bouldern... irgendwas kann man immer machen.

Wettercheck die Zweite!
Mittwoch gut und Donnerstag bis Abend voraussichtlich auch noch. Ein absolut brauchbares Wetterfenster tut sich auf und wir wissen, das dürfen wir nicht verschei....enken! Naja aber das patagonische Wetter tut nicht immer das was man glaubt das es tut, da das Wetter glaubt, man glaubt das es das tut, tut es eben genau das andere, aber ich glaub das glaub nur ich. Egal. Michi Lerjen, Bergführer, Extrembergsteiger, Patagonienexperte, Frauenschreck ;-) usw., aus der schönen Schwiz stand uns mit Rat und Tat zur Seite und empfahl uns, neben unseren existierenden Plänen auch die "Ferrari/Ragni" Route an der Cerro Torre Westwand nicht außer Acht zu lassen. Für uns stellt diese Route einen absoluten bergsteigerischen Lebenstraum dar und als wir alle Fakten zusammenlegen, kommen wir drauf, mit einer guten Portion Glück und Engagement, stehen die Chancen auf Erfolg garnichtmal so schlecht. Glück ist aber manchmal auch, was man draus macht...


27.11.2012


Um 03:30 Uhr verlassen wir El Chalten, das wetter ist Zweifelbhaft und sehr starker Wind begleitet uns, nach 4,5h erreichen wir das sogenannte „Niponino“ Camp und wechseln von den Zustiegsschuhen in die Bergschuhe. Der Wind wird teilweise so stark, dass wir wie Besoffene den Gletscher Richtung Col Standhardt hinauf wanken. Im Col Standhardt ist es eher auf der ungemütlichen Seite und wir seilen ab auf die Westseite des Massivs und stehen bald unter der Cerro Torre Westwand bzw. unter den dicken Wolken der Cerro Torre Westwand. Wir müssen warten, denn sonst wissen wir ja nicht wo es hinaufgeht. Nach ca. 1,5 Stunden reisst die Wolkendecke auf und erstmals sehen wir die Westseite der Torres, ein gewaltiges Bild. Wir errichten unser Biwak kurz unterhalb der ersten Zustieg Mixed Passage und genießen im abendlichen Sonnenschein unser Travellunch.



28.11.2012

Der Wecker reißt uns um 02:30 Uhr aus dem leichten Schlaf, die Nacht über haben sich alle Wolken verzogen, sternenklar und Vollmond, ein kurzes Frühstück und um 03:30 Uhr sind wir auch schon unterwegs. Es läuft wie am Schnürchen und simultan Klettern wir bis auf den sogenannten „Elmo“, ein großer freistehender Eispilz am Beginn der eigentlichen Kletterei, welchen wir um 05:30 Uhr erreichen. Die Mixed Längen und den ersten Eistunnel bringen wir flott hinter uns, in der sogenannten „Headwall“ eine 90 Grad steile Eiswand, fängt der Wind ordentlich an zu blasen, Patagonien halt, dann geht es flott weiter und bald auch stehen wir unter der letzten und wohl anspruchsvollsten Seillänge. Der Amerikaner Colin Haley hat bei der Überschreitung aller Torres (Standhard, Heron, Egger, und Cerro Torre) für diese eine Seillänge 4 Stunden mit dem Anraumschnee gekämpft und sich seinen Weg/Tunnel nach oben gegraben. Wir haben es da weit besser erwischt, festes Eis mit teilweise Schneeeinlagerungen machten die Sache schon spannend aber bei weitem nicht so zeitintensiv und so erreichte ich nach ca. 20 Minuten den letzten Standplatz unterm Gipfel. Um kurz vor 13:00 Uhr standen Max und ich dann oben auf dem Gipfel des Cerro Torre und konnten uns überglücklich und beinahe fassungslos die Hände schütteln und dem wohl schönsten aller Berge auf den Kopf klopfen. Keine Wolke, kein Wind, T-Shirt Temperaturen, Bergsteigerherz was willst du mehr?…Unbeschreiblich ;-)

Nach kurzer Pause seilten wir über die Westwand ab, auch das Abseilen lief wie geschmiert nur die hohen Temperaturen wurden schönlangsam zum Problem. Herabstürzende Schnee und Eismassen machten uns verständlich, dass wir jetzt besser nochmal Gas geben, mein Knie musste sogar unsanfte Bekanntschaft mit einem herabfallenden, tellergroßen Stein machen und wieder wurde uns bewusst, das Bergsteigen in Patagonien einfach eine ernste Angelegenheit ist, denn auf schnelle Rettungsaktionen kann man sich nicht verlassen.

Zurück beim Biwakplatz stärkten wir uns kurz und machten uns dann gleich an den 45km!!! langen Marsch, Hirnausschalten und einfach gehen, zurück übers Inlandeis nach El Chalten. Wir schafften die noch die 6 stündige Etappe übers Eis, dann mussten wir auf einer Moräne biwakieren.



29.11.2012

Wir sind ziemlich erledigt von den Strapazen und die schweren Rucksäcken tragen auch nicht gerade zur Erholung bei, starten aber um 08:00Uhr Richtung Passo del Viento und erreichen schließlich um 18:00Uhr El Chalten, gezeichnet, erledigt und überüberglücklich…




Wie sagt man so schön, zur richtigebn Zeit, am richtigen Ort... :-)



Die heurige Saison fand mit dieser unerwarteten Aktion einen gelungenen Abschluß und mit der Besteigung des "Nameless Tower" 6251m Karakorum/ Pakistan, zusammen mit Hannes Leitner und nun auch mit dem "Cerro Torre", konnte ich den zwei wohl formschönsten Gipfeln einen kurzen Besuch abstatten...


Anbei ein paar Eindrücke aus der Wand.


Max im Eisschlauch


Die letzte Seillänge



Die Torres von Westen




Max und ich überglücklich am Gipfel des "Cerro Torre"